Meine Geschichte – Teil 3

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Unerklärlicherweise kam mir die Idee, meinen Job an der Supermarktkasse zu kündigen, direkt nach dem Konzert einer Band Namens “Quit Your Dayjob”. Soviel zum Thema Fremdeinfluss und Suggestion – was aus den anderen 50 Besuchern des Abends geworden ist, weiß ich nicht. Ich bezweifle jedoch, dass sie alle am nächsten Tag mit der Kündigung vor ihrem Arbeitgeber standen. Wer weiß…

Aber jetzt will ich dich nicht weiter auf die Folter spannen und verrate dir, wie ich es geschafft habe, direkt ab der ersten Woche meiner Selbstständigkeit von Musik zu (über-)leben. Es folgt die ungeschönte Wahrheit:

“Trick” Nr. 1:

Ich hatte zu der Zeit kaum Ausgaben. Ernüchternd, ich weiß. Aber bei Mama und Papa zu wohnen hat mich damals eben (noch) nicht gestört. Wieso auch? Ich war 4 Tage die Woche irgendwo im Nachtleben feiern und – was mir damals nicht bewusst war – dadurch auch fleißig dabei, Kontakte in der Szene zu knüpfen.

Nr.2

Ich habe mich nicht nur auf die eine Band verlassen (mit der wir zum damaligen Zeitpunkt gefühlt eher mehr Ausgaben als Einnahmen hatten). Meine Bandkollegen hatten – mehr oder weniger feste – Jobs nebenher, ich widmete meine zusätzliche Zeit beim Songwriting noch 2 weiteren Projekten: einer deutschsprachigen Band und meinem Soloprojekt. Zu diesem Zeitpunkt verdiente ich mit keinem dieser Projekte nennenswerte Gagen. Trotz hoher Ambitionen mit meiner Haupt-Band ging es uns wie den meisten anderen Bands auch: Es hat niemand auf uns gewartet, wir hatten keine Radio-Hits, und es kamen auch keine A&Rs vorbei, die uns unter Vertrag nehmen wollten. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wie hoch meine Einnahmen pro Monat waren, aber meine Gedanken lauteten in etwa so:

“Wenn ich es schaffe, pro Woche ca. 1 mal zu spielen und im Durchschnitt ca. 100 Euro Gage verdiene, komme ich zumindest schonmal auf die gleiche Summe, wie beim Minijob an der Kasse. Mit 3 verschiedenen Bands kann ich mich sowohl kreativ in unterschiedliche Richtungen austoben, als auch die Wahrscheinlichkeit 4 Shows pro Monat zu spielen, erhöhen. Und falls mal ein Gig ausfallen sollte, stelle ich mich eben mit der Gitarre so lange auf die Straße, bis ich die fehlenden 100 Euro im Hut gesammelt habe. ” 

Nr. 3

Ich verdiente zwar mein ganzes Geld im Bereich Musik, jedoch nicht ausschließlich mit dem Musik-machen. Überall schien es Musiker zu geben, die ähnliche Pläne hatten wie ich, und die meisten scheiterten an derselben Hürde: dem lieben Geld. Überall fehlte es, und keiner wusste so recht, wo er genug herbekommen sollte – schon gar nicht über die Musik allein. Auch ich traf nicht sofort die richtigen Entscheidungen; anstatt mir Gedanken darüber zu machen, wie genau ich mehr Geld verdienen könnte, hielt ich Ausschau nach Möglichkeiten, meine Kosten zu verringern. Ich habe beispielsweise zu dieser Zeit an einer privaten Fachhochschule ein Tontechnik-Studium angefangen, weil ich dachte “…die ca. 3.600,- Euro, die mich dieser Studiengang insgesamt kostet, sind ein wirklich guter Deal. Ich habe ja definitiv vor, mehr als ein Album in meinem Leben aufzunehmen. Als Tontechniker könnte ich es selbst recorden, mixen und mastern, d.h. ich spare mir die Kosten für den Studioaufenthalt…

Aus heutiger Sicht: vollkommen absurd. Das wäre ja so, als würde ich alle Instrumente, die ich auf meinem Album gerne hätte, selbst zu spielen lernen- vollkommen unmöglich! (Habe ich dann aber genau so für meine Solo Alben gemacht. Die instrumentalen Fähigkeiten, die ich mir damals in kürzester Zeit aneignete, waren zugegebenermaßen rudimentär. Dennoch hatte ich einen Riesenspaß dabei.)

Aber halt! Ich schweife vom Thema ab.

Nur weil ich die Ausgaben reduziert hatte, kann ich ja nicht einfach behaupten, dass ich mit Musik meinen Lebensunterhalt verdient hätte. Das ist richtig. Ich bin hier auch noch nicht ganz fertig. Jetzt, da ich Songs aufnehmen und mischen konnte, wuchs mein Interesse für den technisch-kreativen Part hinter der Musik. Auf Grund meiner umfassenderen Kenntnisse und Fähigkeiten kamen immer mehr befreundete Musiker auf mich zu und fragten mich um Rat. Manche baten mich lediglich, ihnen bei anstehenden Aufnahmen ein wenig unter die Arme zu greifen, andere wiederum wollten mich für ihre komplette Recording-Session mit ins Boot holen. Ich war natürlich dankbar für jeden kleinen Job in diese Richtung, weil ich:

  1. dadurch meine Fähigkeiten weiter steigern konnte,
  2. immer mehr Kontakte in der Musikerszene und zu Studios knüpfen konnte,
  3. pro Monat im Schnitt nochmal 300-500 Euro zusätzlich verdienen konnte.

Das war natürlich nicht viel, aber es erleichterte mir, meine (vorerst) bescheidenen Pläne in die Tat umzusetzen. Es war großartig. Mein Kopf hat damals einfach von einem auf den anderen Tag ganz anders funktioniert: Ich sah jede meiner Herausforderungen plötzlich eine Chance. Auch die Probleme der Musiker in meinem Umfeld wurden auf eine angenehme Art meine Herausforderungen. Es schien Chancen zu regnen, und ich ergriff so viele davon wie möglich.

Im nächsten Blogartikel erzähle ich dir, wie ich das Ganze langsam nach oben skalieren konnte, um von Musik leben und nicht mehr nur überleben zu können.

>> Hier geht es zu Teil 4

 

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