Demo-CDs? Bringt das was?

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Demo-CDs sind heute erstaunlicherweise immer noch aktuell. Das wundert insofern, als dass ich zum Beispiel gar keinen CD-Player mehr besitze – Du vielleicht auch nicht. Wieso machen sich die Bands dennoch heutzutage die Mühe, ins Studio zu gehen und eine CD aufzunehmen?

Nun, das hat mehrere Gründe, die eigentlich ganz nachvollziehbar sind. Die CD ist neben Vinyl eben noch das letzte “echte”, d.h. physische Medium, das man anfassen und mit nach Hause nehmen kann. Die meisten, die heute mit ihren Bands unterwegs sind, sind vermutlich noch mit CDs aufgewachsen (oder mit deren Todesröcheln). Lange hat man beobachtet, wie sich CDs verkauft haben wie “geschnitten Brot”, und damit die Newcomer von heute zu Weltstars von morgen machten. Diese unterbewusste Assoziation von “CDs” und “Erfolg” wird man so schnell nicht los.

Aber wie sieht es heute aus? Wie viele CDs werden eigentlich hergestellt, wenn ein Künstler ein neues Album veröffentlichen will? Wie du dir denken kannst, gibt es darauf keine pauschale Antwort. Es gibt noch immer Ausnahmekünstler, die Millionen von Platten verkaufen, aber hier in Deutschland eher…hm…eigentlich nur Helene Fischer, wenn man mal ganz ehrlich ist. Selbst jemand wie Udo Lindenberg – der das erfolgreichste Album des Jahres 2016 veröffentlicht hat – bewegte sich in etwa “nur” bei einer halben Million verkaufter Alben. Und wieviel davon dann nur Downloads und eben nicht CD-Verkäufe sind, lässt sich schwer sagen. Selbst die Downloadzahlen schwinden aufgrund von bequemeren Alternativen des Musik-Konsums dahin. Streamingportale wie Spotify und Co drängt die klassischen Tonträger langsam aber sicher vom Markt.

Fazit: Die CD ist eigentlich tot. Aber verkauft sich irgendwie trotzdem weiter. Also was nun? Ja, ganz so einfach ist es eben nicht. Ich habe wie bereits erwähnt keinen CD-Player, aber stelle dennoch regelmäßig CDs her. Wozu? Ganz einfach: Bands verkaufen CDs weiterhin – mittlerweile vorwiegend bei Live-Konzerten. Denn es gibt sie offenbar noch, die Eigensinnigen, die gern vom Konzert etwas mit heimbringen. Etwas zum Anfassen, im Booklet stöbern, auf den Rechner ziehen oder was auch immer dann mit der CD passiert. Ich beobachte sogar, dass viele eine CD nur aus Gründen der Unterstützung kaufen. Mir geht es manchmal genauso. Wenn ich auf einem Konzert eine fantastische Band entdecke und am Merchstand nur CDs rumliegen sehe, dann nehm’ ich gern mal eine mit. Ja, ich weiß, Schande über mich, denn ich kann sie ja eh gar nicht anhören (!!!). Ab und an ist die Lösung für dieses Problem in den Tonträger inkludiert: der Download-Code. Und wenn nicht, dann habe ich die CD quasi als Erinnerung mitgenommen. Nicht jene nostalgischer Art, sondern im Sinne eines Reminders. Die CD liegt dann bei mir auf dem Schreibtisch, so lange, bis ich den Bandnamen in meine Suchmaschine tippe. Ich höre mir dann ein paar der – vermutlich auf der CD ebenso vorhandenen – Stücke an.

Die (Demo-)CD ist heutzutage also hauptsächlich eine Visitenkarte. So kann man mit einer gut produzierten, schön gestalteten Demo auch mal an Veranstalter herantreten und damit an bessere und größere Gigs rankommen als ohne Tonträger. Manche Veranstalter bestehen nämlich auf ein physisches Exemplar. Nur so können sie sicher gehen, dass sich die Band auch selbst ernst nimmt (so zumindest der unterbewusst mitschwingende Gedanke). Denn wenn eine Band Geld für eine Produktion ausgibt und diese dann auch auf einen Tonträger pressen lässt, dann hält sie schonmal was auf sich. Dann geht die Truppe wohl davon aus, dass sie auch Geld mit ihrer Musik verdienen wird. Wozu sonst die professionell aufgemachte CD?

Du weißt worauf ich hinaus will. Die CD suggeriert dem Aussenstehenden: “Wir sind eine ernstzunehmende Band”. Anders lässt sich auch nicht erklären, wieso eine CD mit Katalognummer, Strichcode, Labelcode etc. als “professioneller” wahrgenommen wird, als eine ohne all diese Sperenzien.

Auch einem Promoter fällt es leichter, auf euch aufmerksam zu machen, wenn er die Redaktionen mit euren CDs bemustern (heißt: den Redakteuren physische Exemplare zuschicken) kann. Denn aus dem “mp3-im-Anhang-der-email”-Sumpf sticht man wiederum am besten raus, wenn man gegen den Strom schwimmt.

Was heißt das alles jetzt für dich in der Praxis? Das entscheidest am besten du selbst. Ich will hier keine allgemein gültige Antwort geben, die morgen schon wieder obsolet sein könnte. Ich kann nur sagen, dass ich weiterhin CDs herstellen werde und zwar so lange, wie sie sich verkaufen lassen. Die CD bleibt weiterhin eine wunderbar bequeme Refinanzierungsmöglichkeit für junge Bands. Die Aufnahmen der Songs müssen ja sowieso gemacht werden.

Wenn du dich für die Produktion von CDs und Demos interessierst, findest du in folgenden Blogeinträgen weitere Informationen:

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